Wer kennt sie nicht? Die Prüfungsangst?

Egal ob Augenoptik- oder Hörakustikschule

Veröffentlicht am: 12.2.2020
Autor/in: Gastautor
Lesezeit: Minuten

Jeder kennt es: Man fühlt sich gut vorbereitet und ist bereit für die anstehende Prüfung in der Optik- oder Hörakustikschule. Die Gesellenprüfung beginnt, und obwohl Tag und Nacht gelernt wurde, überkommt einen die Unsicherheit und man beginnt sich zu verhaspeln. Und plötzlich kommt es: Das totale Blackout, gefolgt von Schweißausbrüchen und Schwindelgefühlen. Der Gedanke an diese eine unangenehme Situation bleibt bestehen und verankert sich fest in unseren Gedanken. Angst und Panikattacken resultieren aus dieser Erfahrung. Und trotzdem begleiten uns Prüfungen ein Leben lang und auch dann, wenn man einen Meister als Optiker absolvieren möchte.

Wie kann die Prüfungsangst überwunden und die Meisterprüfung erfolgreich bestanden werden?

Um diese Frage beantworten zu können, muss dem Ursprung der Prüfungsangst auf den Grund gegangen werden. Also alles nochmal auf Anfang: Woher kommt sie eigentlich, die Prüfungsangst? Dass die meisten Schüler und Studenten sich selbst zu sehr unter Druck setzen, ist kein Geheimnis mehr. Und diese Erfahrung gilt natürlich auch für Augenoptiker und Hörakustiker. Zu hohe Erwartungen an sich selbst, Angst vor Versagen oder die Erinnerung an ein schlimmes Blackout aus der Vergangenheit sind nur wenige Gründe für einen enormen Prüfungsstress. Besonders Schüler mit einem Hang zum Perfektionismus tendieren dazu, ihre psychischen Grenzen zu missachten. Die Folge: Lernen bis spät in die Nacht, keine Zeit für Pausen, Freizeit oder Freunde und Familie. Und genau hier liegt der Fehler: Die mangelnde Erholung erhöht das Stresslevel. Mehr Stress führt zu einem gesteigerten Angstgefühl. Ein Teufelskreis, dem auch Lehrlinge nicht entkommen. Aber warum neigen manche Menschen zu starkem Perfektionismus und andere nicht? Wem bereits im Kindheitsalter einsuggeriert wurde, dass das Selbstwertgefühl in Abhängigkeit zur erbrachten Leistung steht, neigt tendenziell später eher zu Prüfungsangst. Auch traumatische Erlebnisse können der Auslöser für eine Angststörung sein. Wieso empfinden wir überhaupt Angst? Angst lähmt uns und setzt uns unter Stress. Hat nicht alles in der Natur irgendwie einen Sinn? Auch die Angst erfüllt eine wichtige Funktion: Sie soll uns vor Bedrohungen schützen. Was passiert also während wir Angst empfinden? Aus evulutionärerer Sichtweise, wird die Wahrnehmung, darauf fokussiert, welche Aspekte für eine Flucht oder für einen Kampf wichtig sind. Demnach haben Angst und Aufregung auch etwas positives: Sie steigern die Aufmerksamkeit und somit die Konzentrationsfähigkeit. Aber wieso steht uns die Angst während der Gesellen- oder Meisterprüfung dann so im Weg?

Zu viel Angst steigert die Stresshormone in uns und lähmt somit die Konzentration. Folglich fällt es schwer sich zu erinnern und in wenigen Sekunden wird vergessen, wofür Tage oder Wochen gelernt wurde. Zunächst hilft es sich klar zu machen, dass die anstehende Meisterprüfung nicht lebensbedrohlich für uns ist. Wir befinden uns weder auf der Flucht noch auf der Jagd. Indem wir Angst empfinden, verfälschen wir die Realität und nehmen die gegenwärtige Situation, die eigentlich völlig harmlos ist, verfälscht wahr.

Unsere 5 Tipps gegen die Prüfungsangst bei der Meisterprüfung

Wir haben dir 5 Tipps zusammengestellt, die dir dabei helfen sollen, deine Prüfungsangst zu überwinden und du somit dein vollstes Potential in der Meisterprüfung auszuschöpfen.

Positiv Denken! Gib negativen Gedanken keinen Raum und lenke dich einfach ab. Stell dir vor du erhältst deinen Meisterbrief in der Hand, bist glücklich und erleichtert. Hol diesen Gedanken vor dein inneres Auge sobald du Angst verspürst. Der Mensch ist nämlich nicht fähig, Angst und Freude gleichzeitig zu verspüren! Übrigens: Auch ein Lächeln im Gesicht schüttet Glückshormone aus.

Lerne nicht unmittelbar vor der Prüfung! Meistens erhoffen wir uns, Lücken im Kopf durch schnelles Überblicken der Lernzettel kurz vor der Prüfung, zu stopfen. Wir denken, dass das was wir kurz vor der Prüfung lernen, während der Prüfung noch präsenter im Kopf ist. Dieser Gedanke ist falsch, denn wir benötigen Schlaf um gelerntes zu festigen. Stattdessen finden wir sogar noch einen Fehler in den Lernunterlagen aus der Optikerschule oder stellen fest, dass uns etwas wichtiges fehlt. Wir beginnen automatisch uns unter Druck zu setzen und steigern somit unsere Nervosität. Nutze die Zeit unmittelbar vor der Prüfung noch einmal um zu entspannen. So kannst du während der Meisterprüfung Ruhe bewahren und alle Aufgaben gewissenhaft lösen.

Schwarzmaler meiden! Meide Personen die ebenfalls unter Prüfungsangst leiden. Menschen, die dir vor der Prüfung erzählen wie streng der Prüfer sei oder dich auf Stoff hinweisen, welchen du nicht gelernt hast, kannst du unmittelbar vor deiner Meisterprüfung überhaupt nicht gebrauchen! Verinnerliche dir noch einmal Tipp Nummer 2: Kurz vor der Prüfung solltest du die Zeit nutzen, um noch einmal zu entspannen und deine Kräfte zu sammeln.

In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist! Ein ausgewogenes Frühstück und ausreichend Flüssigkeit steigern ebenfalls die Leistungsbereitschaft eines Menschen. Auch Sport befreit den Kopf, fördert die Durchblutung und hilft dir dabei Stress zu reduzieren.

Wackle mit deinen Zehen und drücke den Reset-Knopf! Was tun wenn während der Prüfung Angst aufkommt oder sich ein Blackout annähert? Nimm dir während der Meisterprüfung kurz Zeit und mache etwas, das in keinem Zusammenhang zu der Prüfung steht. Wackle beispielsweise gleichzeitig mit beiden großen Zehen. Klingt komisch? -Ist es auch, aber das Zehen wackeln löst deine Muskelverkrampfungen, welche durch den Prüfungsstress entstanden sind. Die Entspannung der Muskeln entspannt dich auch mental. Und auch hier gilt: Das Gehirn kann während es sich auf das Wackeln konzentriert, nicht parallel auf deine Angst konzentrieren. Du hast mit deinen Zehen gewackelt und bist immer noch nervös? Bei einer mündlichen Prüfung kannst du deinem Prüfer ganz offen von deinem Blackout erzählen. Lehne dich für zwei Minuten zurück und entspanne dich für einen Moment. Atme tief ein und aus. Denke an etwas, was nicht mit der Prüfung zutun hat und dich nicht belastet. Wenn du den nötigen Abstand vom Blackout gewonnen hast, kannst du neu starten. Du wirst die Zeit nach deinem Neustart effektiver nutzen können.

Fazit: Egal ob Gesellen- oder Meisterprüfung: Prüfungen begleiten uns das ganze Leben, jedoch hängt von keiner Prüfung Leben und Tod ab. Angst zu haben ist trotzdem völlig normal, sogar in geringem Maße hilfreich. Ganz falsch ist es, sich von seiner Angst lähmen zu lassen und sich sogar aus diesem Grund nicht zur Meisterprüfung an zu melden. Die einzige Person die dir deine Angst nehmen kann, bist du selbst. Und es ist absolut in ordnung, auch mal zu versagen! Im zweifelsfall kannst du auch eine Meisterprüfung wiederholen. Solltest du allein dein Angstproblem nicht lösen können, solltest du es in betracht ziehen, dir professionelle Hilfe, in Form einer Prüfungsangst-Therapie, zu suchen.




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