Eine Ode an die Augenoptiker

Bericht einer Augenoptikerin

Veröffentlicht am: 1.10.2017
Autor/in: Ramona
Lesezeit: Minuten

Mir persönlich ist wichtig einmal meine Meinung über unseren Beruf darzustellen. In der heutigen Zeit scheint der Trend nicht mehr der zu sein, dass Kunden nur nach dem finanziellen Aspekt suchen. In meinem Bekanntenkreis definiert schon lange nicht mehr der Preis ein Produkt.

Falsches Bild

Lange Zeit haben wir Augenoptiker versucht bei dem Motto „Geiz ist geil“ mithalten zu können. Ich vermute, dass genau das der Grund ist warum heutzutage ein so falsches Bild des Augenoptikers in der Gesellschaft umherirrt. Die Vorstellung ist ganz klar, wir sind alle Verkäufer. Dies möchte ich bejahen wir sind Verkäufer, aber eben nicht nur. In uns steckt so viel mehr, wir sind Typberater, Seelenklempner, Handwerker, Hygieniker, Ausbilder, Retter in der Not, Anpasser und Wieder-in-Ordnung-Bieger.

Ein Beruf der nie langweilig wird

Augenoptiker ist ein vielfältiger und interessanter Beruf und es liegt in unserer Hand ihn wieder attraktiv zu gestalten. Neben der Werkstatttätigkeit, die uns von keinem Handwerker groß unterscheidet -wir löten, wir kitten und wir polieren - ist der Verkauf für uns sehr notwendig. Wir sehen uns allerdings als Berater. In unserem Verkaufsgespräch analysieren wir und suchen Möglichkeiten. Kindern schenken wir den ersten klaren Blick auf ihre Welt und geben Menschen Lösungen für ihre Sehprobleme. Sehprobleme können für viele Menschen berufliche Einschränkungen oder sogar das Aufgeben eines freudenbringenden Hobbys bedeuten. Menschen die keine Bücher, Briefe oder Artikel mehr lesen können, dürfen durch Lupen oder auch Bildschirmlesegeräte auf Hilfe hoffen. Wir sind Stilberater und sind immer auf dem neusten Stand was die Mode angeht. Wir können quasi ohne OP eine Nase kleiner Wirken lassen. Die richtige Farbwahl kann so einiges unterstreichen oder eben in den Hintergrund rücken. Ganze Typveränderungen können wir vornehmen, in dem wir entsprechende Kontaktlinsen anpassen. Doch zu erwähnen bleibt, wie viele unterschiedliche Einsatzgebiete es für uns gibt. Nur eine kleine Auswahl habe ich hier zusammengefasst.

Nicht nur Brillen sind modern

So haben wir die Möglichkeit uns selbst weiter zu entwickeln in verschiedenen Bereichen, wie zum Beispiel die Anpassung von speziellen Keratokonuslinsen oder die Funktionaloptometrie. Wir können uns im operativen Sektor beteiligen und Augenärzte bei diversen Untersuchungen unterstützen. Ein Wechsel in die Industrie wäre eine weitere Möglichkeit. Die Position des Aussendienstmitarbeiters kann sehr gut mit einem Augenoptiker besetzt werden. Interne Tätigkeiten im Bereich Marketing, Produktmanagment, Produktion, Grafikdesign oder auch als Berater im Customer Service sind für uns eine weitere interessante Möglichkeit.Sogar industrielle Unternehmen die in erster Linie nichts mit der Augenoptik zu tun haben, sind an unseren Fähigkeiten durchaus interessiert bzw. sehen in unserer Ausbildung ein großes Potential. Eine beratende Rolle kann bei diversen Krankenkassen eingenommen werden.

Im Ausland arbeiten

Was für mich noch ein sehr wichtiges Thema ist, ist die Möglichkeit der Auslandstätigkeit. Ich durfte schon Kollegen kennen lernen, die in Afrika einige Zeit die Refraktion, Brillenfertigung und vor allem die Ausbildung zukünftiger Fachkräfte vor Ort übernommen haben. Diese Möglichkeit ist sehr beeindruckend und sicherlich mehr als nur notwendig. An dieser Stelle ein großes Lob für alle, die bereits bei solchen Projekten beteiligt waren oder es sogar noch sind. Manchmal habe ich das Gefühl, als hätten wir das alles vergessen! Immer mehr unzufriedene Kollegen bestätigen meinen Verdacht. Wir müssen unseren Beruf endlich wieder stolz und selbstbewusst als ein Gesamtwerk sehen. Wie bereits oben erwähnt möchten die Kunden heutzutage wieder Qualität und das Gefühl der Einzigartigkeit zurück, was uns besonders liegt – also lasst es uns anpacken und uns endlich wieder in das richtige Licht rücken.




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