Bericht einer Augenoptikgesellin

Die Höhen und Tiefen in der Augenoptik

Veröffentlicht am: 24.6.2018
Autor/in: Helen
Lesezeit: Minuten

Hallo, ich bin Helen und seit Januar Gesellin im Bereich Augenoptik.

Ich möchte euch meinen Weg zur Gesellin beschreiben. Es gibt Menschen, die haben wenige Probleme beim Lernen oder in der Praxis und es gibt Menschen, denen fällt das Lernen schwerer, aber sie möchten ihr Ziel trotzdem schaffen.

Meine Geschichte

Ich heiße Helen und bin 24 Jahre alt. Habe schon ein paar schulische Leistungen hinter mich gebracht, bevor ich meine Ausbildung angefangen habe.

In der Augenoptik braucht man viel Wissen aus der Physik, der Mathematik und dem Sprachlichen. Denn neben den praktischen Dingen wie Brillen montieren oder Gläser schleifen, muss man auch das Sprachliche beherrschen. Worauf ich hinaus möchte, ist, dass ich in diesen Feldern Schwierigkeiten hatte.

Am Anfang der Ausbildung war das Lernen noch in Ordnung und ich habe mich da ohne Hilfe durchgeboxt. Doch als es schwieriger wurde, konnte ich mich nicht mehr so gut konzentrieren und meine Noten wurden schlechter. Ich hatte nicht mehr Lust zu lernen. Ich hatte schon immer in meiner Schullaufbahn Nachhilfe.

Ja viele sagen jetzt, das ist uncool und was Schlechtes. Aber es gehört dazu, es ist eine Bereicherung. Man muss es nicht Nachhilfe nennen, sondern Lernen mit anderen Menschen.

Nachhilfe in der Augenoptik

In der Zeit der Ausbildung wohnte ich noch bei meinen Eltern, die mir dann Nachhilfe in der Nähe gesucht haben, um mich zu unterstützen. Doch diese haben mir nicht viel geholfen, denn sie waren diejenigen, die Physik oder Mathe studiert haben, aber nichts von der Optik wussten. Im Internet fand ich dann einen Augenoptikermeister, welcher auch Nachhife gibt. Sein Name ist Philipp Schopohl. Ich schrieb ihn an und bekam auch schnell eine Antwort.

Er wohnt in Paderborn und so musste ich am Wochenende immer 1 1⁄2 Stunden fahren. Doch ich wollte das, denn ich wollte wieder bessere Noten haben.

Wir trafen uns bei ihm Zuhause und die erste Stunde half mir schon enorm. Ich konnte jegliche Fragen stellen, die ich stellen wollte, ohne das er genervt war. Er hatte gute Hilfsmittel, wie eigene Eselsbrücken und Witze und das Lernen machte mir wieder Spaß.

Wir lernten fast jedes Wochenende zusammen, bis zur ersten Endprüfung der Ausbildung. Ich fühlte mich schulisch echt sicher. Doch auch das Praktische musste sitzen. Die Probleme versuchte ich in meinem Ausbildungsbetrieb zu begleichen und auch in der Lehrwerkstatt, die mir zur Verfügung gestellt worden war.

Schwierigkeiten bei den praktischen Arbeiten

Aufgrund meiner etwas schlechten Augen, hatte ich Schwierigkeiten beim genauen Messen und Bohren. Ich hatte schon verschiedene Methoden ausprobiert, wie es besser werden kann. Mehr Licht, mehr Zeit und andere Dinge. Ich sagte mir, dass ich das Bohren mit der einfachen Bohrmaschine machen wollte.

Es gibt ja auch noch die Less Stress Methode aber mit der wollte ich nicht arbeiten, da ich sowieso schon Druck hatte. Also kam die Prüfung näher und ich wurde aufgeregter.

Prüfung

Es kam der Tag an dem ich die schriftliche Prüfung hatte und der Tag an dem ich meine praktische Prüfung hatte. Ich war zufrieden mit mir. Ich dachte, ich würde bestehen.

Es kam der Tag, an dem uns das Ergebnis erteilt wurde. Zunächst wurde uns gesagt, wer bestanden hat. Ich war nicht dabei. Ich fing an zu weinen, meine beste Freundin nahm mich in den Arm und sagte mir, dass ich vielleicht nur die Nachprüfung machen muss. Die, die nicht bestanden hatten und vielleicht eine Nachprüfung machen mussten, sollten in einen anderen Raum.

Dort wurden den Restlichen mitgeteilt, wer eine mündliche Prüfung machen muss. Auch da war ich nicht dabei. Das hieß: Ich hatte nicht bestanden.

Eine Welt brach über mich hinein. Es lag an der zu bohrenden Brille, die einfach mal die Note 6 war. Als hätte ich sie nicht abgegeben.

Ich wollte einfach nur noch nach Hause und alleine sein. Natürlich musste ich diese unfrohe Botschaft meiner Chefin, meinen Eltern, meiner Oma und meinem Freund sagen. Ich fühlte mich so niedergeschagen. Ich hatte doch so viel gelernt und gemacht und getan. Alle waren mit mir traurig, aber sie wollten mich gleichzeitig mit den Worten „in einem halben Jahr machst du es nochmal und dann schaffst du es„ aufmuntern.

Die Zeit nach der Prüfung

Die nächsten Monate vergingen und ich lernte und ackerte weiter. Zwischendurch hatte ich immer Angst, die Prüfung noch einmal nicht zu schaffen. Ich wollte schon zwischendurch abbrechen, doch meine Freunde, Familie und mein Freund motivierten mich und halfen mir, wo es nur ging. Hätte ich sie nicht gehabt, wäre ich nicht so weit, wie ich jetzt gekommen bin.

Nach ein paar Monaten des auf und ab, hatte ich dann den Entschluss gefasst, es zu schaffen. Ich war selber sehr motiviert und wollte es Allen zeigen.

Die Nachprüfung

Es kam der Tag an dem ich die schriftliche Prüfung machen musste. Die war nach meinen Augen nicht so toll war, aber es gab ja noch den praktischen Teil.

Bei der praktischen Prüfung allerdings hatte ich dafür ein super Gefühl. Denn ich hatte nach dem Nichtbestehen die Methode mit der Less – Stress gewählt und die Randlosbrille, die ich machen musste, wurde um einiges besser.

Bis hin zum Tag der Entscheidung träumte ich jede Nacht von der Prüfung und von dem Ergebnis, ob ich es geschafft habe oder nicht.

Diese Zeit war noch schrecklicher als die Lernzeit. Ich machte mir selber Druck. Wer macht das nicht, wenn man es beim zweiten Mal schaffen will. Doch ich konnte nichts tun, außer das Ergebnis abzuwarten.

Der Tag der Entscheidung kam und meine Mama fuhr mich netterweise zur Schule hin.

Wir Nachprüflinge saßen zu zehnt in dem Raum, angespannt und aufgeregt zugleich.

Zuerst nannte unser Lehrer die Anzahl die nicht bestanden hatte, es war eine. Mein Herz stieg in die Höhe und mein Puls raste so laut. Doch ich war es nicht. Es war das Mädchen neben mir, welches in meiner Klasse war und mit mir die Prüfung gemacht hatte. Ich wusste nicht, ob ich mich freuen soll oder traurig sein sollte, denn ich kannte ja das Gefühl des nicht Bestehens.

Als nächstes nannte er die Anzahl an Schülern, die eine Nachprüfung machen musste und danach auch die Namen. Auch da war ich nicht dabei . Das hieß, ich hatte bestanden. Mein Lehrer rief mich auf und legte mir mein bestandenes Prüfungsformular vor mir hin.

Ich konnte es nicht begreifen und fing an, vor Erleichterung zu weinen. Die anderen beglückwünschten mich und ich schrieb meiner Mama auch gleich eine Nachricht. Es war ein Moment, den man nicht beschreiben kann.

So viel Erleichterung und Glück hatte ich in meinem ganzen Leben nicht. Ich hatte viel gelernt in der Zeit, doch eines habe ich am meisten gelernt. Wenn man etwas wirklich will, dann schafft man es auch, sei es auch beim zweiten Mal.


Fazit

Was ich euch deshalb sagen will, es gibt Höhen und Tiefen in eurem Leben. Aber wenn es mal Tiefen geben sollte, nehmt euch eure Besten an eure Seite und meistert diesen Berg an Arbeit zusammen, denn niemand schafft so was alleine. Freunde und Familie sind dafür da, füreinander da zu sein und in guten wie in schlechten Tagen an eurer Seite zu sein. Habt keine Angst oder Missmut diese Aufgabe nicht bewältigen zu können, stemmt euch mit aller Kraft dagegen und ihr werdet merken, die Arbeit hat ihren Preis.

Zum Schluss eine Motivation: Ohne Fleiß keinen Preis ;)




Weitere Lesevorschläge: