Was passiert nach dem Gesellenbrief?

Fortbildungsmöglichkeiten in der Augenoptik

Veröffentlicht am: 7.10.2018
Autor/in: Helen
Lesezeit: Minuten

Augenoptiker dürfen keine Diagnosen stellen.


Den Gesellenbrief in der Hand und jetzt?

Diese Frage stellen sich nun viele, wenn sie die Gesellenprüfung erfolgreich absolviert haben.

Soll ich den Meister hinterher hängen? Schaffe ich das? Sollte ich doch erstmal Erfahrung sammeln, bevor ich mir Gedanken um eine Weiterbildung mache?

Heute erläutere ich euch, was man alles nach der Gesellenprüfung machen kann und gehe auf die verschiedenen Fortbildungsmöglichkeiten näher ein.

Den Meisterbrief zu bekommen, ist ein großer Schritt in die Zukunft eines Augenoptikers. Wer den Meisterabschluss nicht machen möchte, kann sich auch durch weitere Fortbildungsmöglichkeiten, wie z. B. der Augenglasbestimmung (Refraktion), Kontaktlinsen, Sportbrillen und Low Vision weiterbilden. In der Meisterausbildung werden die Themen Augenglasbestimmung, Kontaktlinsenanpassung und die Anpassung vergrößernder Sehhilfen behandelt.


Low Vision

Low Vision bedeutet wörtlich übersetzt schlechte Sicht. Dies umfasst Sehschädigungen und Beeinträchtigungen, die sich nicht mit Brillen, Kontaktlinsen oder durch operative Eingriffe beheben lassen.

Streng genommen lassen sich auch Low Vision Kunden mit Brillen korrigieren, aber dabei handelt es sich entweder um sehr starke Lupenbrillen oder Fernrohrlupensysteme, aber auch kamerabasierte Lesegeräte und spezielle Beleuchtungen.

Der Bereich „Low Vision“ umfasst folgende Punkte:

  • Die Beurteilung der Sehfunktionen, der Refraktion (Fehlsichtigkeit), der Lesefähigkeit und des Vergrößerungsbedarfs
  • ggf. Optimierung der Stärke des Brillenglases

Anpassung vergrößernder Sehhilfen:

  • Optisch vergrößernde Sehhilfen
  • Elektronisch vergrößernde Sehhilfen
  • Informationen zu adäquaten Beleuchtungsmöglichkeiten und ergonomischen Hilfen

Auch wird über weitere Rehabilitationsmöglichkeiten informiert, z. B.:

  • Informationen und Adressen der Frühförderung sehgeschädigter Vorschulkinder
  • Regelschulbetreuung
  • Spezielle Schulen
  • Berufsförderungswerke
  • Möglichkeiten der beruflichen Wiedereingliederung
  • Erlernen blindentechnischer Grundkenntnisse etc.

Aufgrund der Anforderungen von Low Vision Kunden kann man sich, meiner Meinung nach, ohne Meistertitel nur schwer in dem Low Vision Gebiet etablieren. Dazu sind fortgeschrittene Refraktionskenntnisse notwendig.

Ist die Sehschärfe 30% oder schlechter, können Rehabilitationsleistungen und spezielle Hilfsmittel (vergrößernde Sehhilfen) aufgrund des sogenannten „Nachteilausgleichs“ definiert im SGB XII (Sozialgesetzbuch) in Anspruch genommen werden. Diese werden dann nach ärztlicher Verordnung auch von den Kostenträgern (z.B. Krankenkasse) bezuschusst.

Der Begriff Low Vision beschränkt sich nicht einfach auf die Minderung der Sehschärfe (Visus), sondern bezieht auch auf eine Reihe weiterer Funktionen. Die Wahrnehmung schwacher Kontraste, die Blendung, das Gesichtsfeld oder auch die Farbwahrnehmung werden dort behandelt. Meistens lässt sich das Sehen und die Wahrnehmung mit verschiedenen Vergrößerungshilfen und Lupen, aber auch durch Licht verbessern. Zusammenfassend steht Low Vision für: Die visuelle Wahrnehmung lässt sich immer verbessern!


Das Studium

Wer dann doch lieber wieder etwas Theorie nach der ganzen Praxis möchte, kann auch studieren. Der Beruf Augenoptik besteht aus einer Kombination von Theorie und Praxis. Das Studium beinhaltet Praxisseminare. Der Bachelor ist der erste Teil eines mehrstufigen Studienmodells. Die Regelstudienzeit eines Bachelorstudiengangs beträgt mindestens drei bis höchstens vier Jahre. Die meisten Bachelorstudiengänge beinhalten sechs Semester.

Ein wichtiges Ziel des Bachelorstudiums ist es, die Studierenden durch die Vermittlung von praxisorientiertem Wissen auf die Berufswelt vorzubereiten. Darüber hinaus werden die Studierenden insbesondere im Rahmen von universitären Bachelorstudiengängen - mit den Grundregeln des wissenschaftlichen Arbeitens vertraut gemacht.

Das Masterstudium ist in der Regel kürzer (zwei bis vier Semester) und schließt sich an ein bereits absolviertes grundständiges Studium, beispielsweise ein Bachelorstudium an. Sogenannte konsekutive Masterstudiengänge dienen der Vertiefung der Studieninhalte aus dem vorherigen (Bachelor-) Studium.

Um zu studieren ohne das Abitur absolviert zu haben, braucht man den Meistertitel.


Jetzt habe ich euch grob die verschiedenen Fort - und Weiterbildungsmöglichkeiten genannt und bringe euch die einzelnen Themen näher.

Der Meisterbrief

Allgemein setzt sich der Meister aus vier Teilen zusammen.

Der praktische Fachteil (Teil1) und der theoretische Fachteil (Teil2).
Der ADA-Schein (Teil4) und der betriebswirtschaftliche Teil (Teil3) sind bei allen Handwerksberufen identisch.

Wer einen Meistertitel erlangt, ist berechtigt einen eigenen Laden zu führen/eröffnen und darf durch den ADA (=Ausbildereignungsschein) auch Lehrlinge ausbilden. Unter anderem gibt es in Dormagen, Köln und Dortmund Schulen, an denen man die Meisterkurse besuchen kann.
Die Absolventen können den Meister in Teilzeitkursen oder in Vollzeit absolvieren. Jeder kann sich die Unterrichtseinheit aussuchen. Der Vollzeitkurs dauert an einer staatlichen Schule zwei Jahre und an einer Privatschule ein Jahr. An der Privatschule muss man die Schulgebühren selbst zahlen. Bis zu zwei Jahren kann es dauern, wenn man den Meisterabschluss in Teilzeit absolviert. In Diez gibt es einen Teilzeitkurs, der knapp ein Jahr dauert.

Über die Kosten habe ich bisher noch gar nicht gesprochen.

  • Wie viel kostet es?
  • Muss ich alles selbst zahlen?

Die Teilnahmegebühren liegen bei ca. 10.000€, weshalb der Meister zunächst finanziell eine große Belastung darstellt. Hinzu kommen die Prüfungsgebühren der Handwerkskammer, diese liegen bei ca. 1.000€. Wer nicht so viel Geld gespart hat, kann Meister-BAföG beantragen. Der Meister-BAföG kann nach einiger Zeit auch in Raten abgezahlt werden.

Auch ein großes Thema ist natürlich der Verdienst, wenn man Meister/-in ist .Der Zentralverband der Augenoptik hat bei dem Verdienst auch ein Mitspracherecht und hat so eine Empfehlung ausgesprochen.
Der Zentralverband der Augenoptik empfiehlt ein Bruttogehalt von 2,620 €.

Im nächsten Abschnitt bringe ich euch die Fortbildungen näher, auf die man sich spezialisieren kann.


Augenglasbestimmung: ungs. Sehtest

Die Augenglasbestimmung umfasst alle Tätigkeiten zur vollen Korrektur, Refraktion ist im klassischen Sinne das Ausmessen der Stärke. Bevor die Kunden ihre neuen Brillen bekommen, misst man ihre Stärken mit dem sogenannten Phoropter oder der Messbrille aus. Wenn jemand vorher keine Stärken hatte, kann man die ungefähren Werte mit dem Refraktometer messen. Vereinfacht kann man sagen, dass dieses Gerät mittels Lichtbrechung die Sehstärke (Dioptrien) ermittelt. Die Genauigkeit hängt von vielen Faktoren ab, weshalb dies immer einer Überprüfung bedarf.

Diese Messungen dürfen laut der Handwerkskammer jedoch nur von Meistern durchgeführt werden. Für die Messungen braucht man nicht unbedingt eine Fachschule, sondern kann unter Aufsicht eines Augenoptikermeisters/ einer Augenoptikermeisterin ein Seminar absolvieren.

Dieses Seminar dauert ein oder zwei Tage mit jeweils 8 Stunden Lerneinheiten. Natürlich ist auch eine Stunde Pause inbegriffen. In dem Seminar lernt man alle wichtigen Inhalte zum Überprüfen der Sehstärke. Es richtet sich an alle Gesellen, die zur Unterstützung der Meister/Meisterinnen im Verkauf weitere Aufgaben übernehmen wollen.

In der Regel kommt der Betrieb für die Kosten dieses Seminars auf. Im Anschluss an das Seminar ist das Üben im Betrieb unerlässlich. Zu Beginn bietet es sich an, die Kollegen/Kolleginnen zu vermessen, sobald hier eine gewisse Routine eingetreten ist, kann der nächste Schritt der Kunde sein. Bei der Vermessung des Kunden ist zunächst ein/eine Augenoptikmeister/Augenoptikmeisterin anwesend. Der/Die Meister/Meisterin trägt stets die volle Verantwortung für die Vermessung der Kunden.

Im Anschluss an die Übungsphase folgt eine Prüfung. Bei bestehen der Prüfung erhält der Prüfling ein Zertifikat. Dies ist die Beschreibung bei dem Optiker Apollo Optik.


Es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Bestimmung der Sehstärke.

Eine Möglichkeit ist die Messung mit der Messbrille. Hier nutzt man kleine Gläschen mit der entsprechenden Dioptrie. Dioptrie ist die Einheit der gemessenen Fehlsichtigkeit. Zur Korrektur der Fehlsichtigkeiten werden unterschiedliche Gläser verwendet, die entsprechend markiert sind. In der Augenoptik korrigiert man mit Gläsern, die Licht sammeln oder zerstreuen. Man bezeichnet sie als Sammellinsen oder Zerstreuungslinsen. Um diese zu unterscheiden werden Sammellinsen schwarz oder grün markiert. Die Zerstreuungslinse erhält eine rote Markierung. Des weiteren gibt es Gläser zur Korrektur einer Hornhautverkrümmung, diese bezeichnet man als zylindrische Gläser. Prismen zur Korrektur einer Winkelfehlsichtigkeit, werden ausschließlich von einem/einer Augenoptikermeister/Augenoptikermeisterin gemessen und entsprechend eingesetzt.

Zweitens gibt es den Phoropter.

Eine häufige Meinung ist, dass die Messung mit dem Phoropter besser ist, da die verschiedenen Gläser mithilfe des Umschaltssystems schneller gewechselt werden können als mit der Messbrille. Man prüft immer erst das rechte Auge und dann das Linke. Die Sehtafel muss auf die Länge des Raumes angepasst sein, dass heißt theoretisch 6m lang. Wenn der Raum aber keine 6m lang ist, kann mittels eines Spiegels auch in einem kürzeren Raum eine Überprüfung stattfinden! Der Spiegel ist dafür da, dass der Raum scheinbar länger ist und die Prüfungsbuchstaben an der Rückwand produziert werden können. So hat man dann eine ungefähre Länge von 6m Es wird erst die Ferne, dann die Nähe messen, falls nötig.

Die Nahmessung macht man aber erst ab einem ungefähren Alter von 45 Jahren, wenn die Augenmuskeln sich nicht mehr auf die Nähe Entfernung gut einstellen können. Dann kommt es dazu, dass die Kunden die Arme weiter wegnehmen müssen oder auf längere Art Vergrößerungen der Schrift brauchen. Vor Beginn der Messung muss zunächst geklärt werden, ob der Kunde bestimmte Medikamente nimmt oder gesundheitliche Einschränkung hat, die sich auf die Messung auswirken kann.


Kontaktlinsen

Kontaktlinsen sind heutzutage eine häufige Alternative zur Brille. Natürlich kann man sich auch auf dieses Thema spezialisieren und Seminare absolvieren.

Zunächst gibt es drei Hauptgebiete:

  • die Auswahl der Kontaktlinse
  • die Anpassung
  • die Handhabung

Das Seminar hierzu dauert meist zwei bis drei Tage. Dieses Seminar wird z.B bei Apollo Optik gelehrt.

Zur Auswahl der Kontaktlinsen

Es gibt Menschen mit eher trocknen oder eher feuchten Augen. Hier muss man schauen, ob man weiche oder harte/formstabile Kontaktlinsen nimmt. Es gibt auch noch die Entscheidung zwischen Tages- , Monats- und Jahreslinsen. Die, die sporadisch die Kontaktlinsen zu einem guten Anlass oder zum Sport nutzen, können die Tageslinsen gut tragen.

Der Unterschied zwischen den beiden Linsentypen ist, dass man die Tageslinsen nach einem Tag entsorgt und die Monatslinse erst nach einem Monat. In einer Tageslinsenpackung sind pro Monat 30 Stück enthalten.

Die Monatslinsen sind für ein halbes Jahr ausgelegt. Für jeden Monat wird eine Linse verwendet.

Kontaktlinsenanpassung

Diese ist natürlich sehr wichtig. Die weiche Kontaktlinse darf fast nicht zu spüren sein und muss perfekt auf der Hornhaut sitzen. Die Augenoptiker benutzen die Spaltlampe zur Kontrolle des Sitzes. Sie leuchten erst die eine Hälfte des Augenabschnittes aus und danach die andere Hälfte, wodurch eine Blendung vermieden wird.

Es gibt drei verschiedene Beleuchtungsarten, die diffuse Beleuchtung, die direkte fokale Beleuchtung und die indirekte Beleuchtung.

Mit der diffusen Beleuchtung kontrolliert man den vorderen Augenabschnitt auf mögliche Reizungen, Entzündungen sowie Veränderungen der Lider, Lidbindehaut, Augapfelbindehaut und Limbus. Man überprüft die Hornhaut- und Irisveränderung, die Beurteilung des KL-Linsensitzes, und die Beweglichkeit und Benetzung (oszillierend).

Bei der direkten fokalen Beleuchtung kontrolliert man auf mechanische Beschädigungen der Hornhaut in drei Lagen. Kontrolle auf Infiltrationen und entzündliche Prozesse in der Hornhaut. Kleinste Veränderungen (Streulichter) sind ideal auf dunklem Grund erkennbar. Dazu gehört auch das Sichtbarmachen von Linsengravuren. Mit Maximal-Spalt und Blaulicht werden Fluoresceinkontrollen ausgeführt.

Durch dieindirekten Beleuchtung wird auf Ablagerungen an der Endothelrückfläche (Pigmente/Zellen) kontrolliert und optimales Beobachten von Infiltrationen (z.B. Narben und Gefäßeinsprossungen) ermöglicht. Mikrozysten und Vacuolen sind im regredienten Licht zu unterscheiden. Mikrozysten zeigen innerlich eine Bildvertauschung.

Mehr Informationen dazu findet ihr unter dem Link.

Für die Gesellen werden immer nur einfache Grundlagen vermittelt, für tieferesWissen braucht man den Meister Zum Sitz werdet ihr im Seminar mehr erfahren.

Handhabung

Bei der Handhabung ist es so, dass die Tageslinse nicht gereinigt werden muss, da diese sich schon in einem Blister befindet und man diese sofort nach Gebrauch entsorgt. Bei der Monatslinse ist es etwas anders. Diese nutzt man einen Monat und braucht deshalb ein Pflegemittel, um die Kontaktlinse feucht, sauber und keimfrei zu halten. Zum Pflegemittel gibt es ein kleines Döschen, in die man die Kontaktlinsen aufbewahren kann.

In der folgenden Tabelle werde ich Vorteile und Nachteile für Kontaktlinsenträger im Vergleich zu Brillenträgern auflisten.

VorteileNachteile
größeres Sichtfeldeventuelle Reizung der Augen (Bindehautentzündung)
keine Abbildungsfehler wie sphärische Abberation oder Astigmatismus schiefer Bündelnicht jeder ist für Kontaktlinsen geeignet (z.B. hohe Sehstärke Zylinder)
Sonnenbrillen müssen nicht extra mit der Stärke verglast werdenEntzündungen können durch Bakterien hervorgerufen werden
kann für Allergiker sogar zu einer Verbesserung führen durch das Abdecken der Hornhautverursacht trockene Augen



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