Vollzeitjob und Papa

Spagat aus der Sicht eines Vaters

Veröffentlicht am: 25.3.2018
Lesezeit: Minuten

Vollzeitjob und Kinder… wie bekommt man alles unter einen Hut?

Ich bin nicht ganz sicher wie ich anfangen soll. Als ich gefragt wurde, ob ich gerne mit an Blogposts für Placing-You schreiben würde, habe ich keinen Augenblick gezögert, denn das Schreiben gehörte früher einmal zu meinen Leidenschaften.

Heute habe ich nur noch wenig bis keine Zeit dafür. Der Grund dafür ist der Schönste den es gibt: Ich bin Papa geworden und zwar gleich im Doppelpack!

Die aufregende Zeit beginnt.

Während der Elternzeit war ich oft wach und müde und an konzentrierter Schreibarbeit war hier nicht zu denken. Das galt auch für Filme schauen… die Eltern unter euch wissen, was ich meine 😉. Nach der Elternzeit begann die Arbeit wieder. 40 Stundenwoche, meine Frau noch zuhause. Die einen werden jetzt sagen: super, die Kinder sind versorgt und er kann in Ruhe arbeiten gehen. Die anderen werden sagen: das ist hart. Es entwickelte sich zur zweiten Variante.

Klar, ich kann mich auf meine Frau verlassen, die Kids sind gut versorgt und sie entwickeln sich nach wie vor prächtig. Aber es gibt diese gewissen Tage, an denen ich dachte, ich verdiene zwar gerade Geld, aber ich bin hier gerade völlig fehl am Platz, denn ich sollte zuhause sein. Es gibt diese Tage, an denen die Kinder, sonst die Liebsten die es gibt, auch mal schlechte Zeiten durchmachen und dann sitze ich gemütlich bei der Arbeit mit einem Kaffee in der Hand, wenn meine Frau eine verzweifelte Nachricht schreibt. Ich kenne meine Frau, sie würde mir da nie einen Vorwurf draus machen, sie schreibt dann aber, dass es den Kindern heute nicht gut geht. Heute weinen sie die ganze Zeit. Heute haben beide Fieber usw., aber ich sitze dann mit besagtem Kaffee und wünsche meinen Job und die starren Öffnungszeiten in die Hölle, weil ich bei meiner Familie sein möchte.

Vor dem Jobwechsel

Zu der Zeit habe ich in Dorsten gearbeitet, ca. 50 km pro Strecke, Fahrtzeit bei gutem Verkehr etwa 50 Minuten. Stellt euch vor, ihr wisst, dass eure Frau zuhause mit fiebernden kranken Zwillingen sitzt und ihr müsst nach ohnehin 9 Stunden auf der Arbeit noch die 50 Minuten bis 1 Stunde fahren. Ich weiß, es gibt Leute, die sind schlimmer dran. Ich denke da an die Brummi - Fahrer, die ihre Kinder teilweise nur am Wochenende sehen. Ich habe das Privileg, meine Kinder jeden Tag (und Nacht 😉) erleben zu dürfen und trotzdem war mir diese Arbeits- und Fahrtzeit mehr als lästig. Ich sagte mir dennoch: okay, du machst bald die Meisterschule, danach wird alles besser. Dazu kam es dann nicht mehr. Die Gründe dafür gehören in eine andere Geschichte und sind so auch schon zum Teil von anderen beschrieben worden.

Das Ende vom Lied beschreibt sich folgendermaßen: Ich wechselte die Arbeitsstelle in eine Firma, die sehr viel flexibler Arbeit und Familie vereinbaren kann. Zudem ist der Einsatzort lediglich 15 km vom Wohnort entfernt. Ich schlage also einige Fliegen mit nur einer Klappe. Weniger Fahrzeit, ergo mehr Zeit für die Familie. Weniger Fahrstrecke, ergo weniger Sprit und dadurch mehr Geld und viel weniger Verschleiß.


Habe ich nun alles richtig gemacht?

Sicherlich darf man sich diese Frage stellen. Ich habe den Schritt gewagt und bin trotz Familie ein Risiko eingegangen, indem ich eine gesicherte Arbeitsstelle mit Probezeit getauscht habe. Aber es hat sich gelohnt, nicht zuletzt für mehr Familienzeit. Ich kann also allen raten, die Angst vorm Wechsel zu einem neuen Arbeitgeber haben, macht den Schritt! Ihr wisst nie, was ihr sonst verpasst hättet.