Erfahrungen bei einem Jobwechsel im "hohen" Alter

Mit 62 Jahren willst Du noch mal wechseln? Kurz vor der Rente? Bist'e blöd oder couragiert?

Veröffentlicht am: 15.10.2017
Autor/in: Susann
Tags: #Ausbildung, #Bewerbung, #Fortbildung, #Hörakustik, #Jobwechsel, #Vorstellungsgespräch
Lesezeit: Minuten

Diese oben genannte Frage hörte ich in Abwandlungen immer wieder, nachdem ich im Freundes - und Bekanntenkreis verkündet hatte, dass ich nach 21 Jahren Akustikertätigkeit bei einer sehr großen Firma zu kündigen gedachte. Es war mir schon klar, dass ich diese Frage nicht von der Hand weisen konnte. Ich arbeite seit 41 Jahren in diesem Beruf und er hat mir viel geschenkt. Ich mag es, mit Menschen zu tun zu haben. Immer noch und immer wieder.

Den Job wechseln im Alter?

Bisschen verrückt, oder? Nein, kein bisschen verrückt. Folgerichtig, konsequent, längst überfällig! Und nun? Woher einen neuen Arbeitgeber nehmen? Es war klar, dass ich Hilfe brauchte, denn bei meiner anstrengenden Reisetätigkeit als Springerin damals würde sich die Suche nach jemand Neuem recht schwierig gestalten. So dachte ich.

Kennenlernen mit Placing-You

Ich hörte von Daniel Maron und placing-you. Ah, jemand vom Fach, der sich auskennt, dem viele Tücken und Alltäglichkeiten in diesem Beruf bekannt sind. Jemand der etwas nachvollziehen kann und dem Menschen wichtig sind.Ganz wichtig! Wir telefonierten und ich erzählte ihm, okay nicht Alles, aber viel von dem, was mich bewog diesen Schritt nach vorn zu gehen. Ich muss ehrlich sagen, dass Daniel Maron mir diesbezüglich heute noch leid tut. Und selten habe ich einen jungen Menschen erlebt, der so geduldig und zugewandt hinhörte und sich merkte, was mir wichtig war. Er glaubte, dass mein Alter eine eher untergeordnete Rolle spielen würde, denn bei einem über so viele Jahre angesammelten Erfahrungsschatz könne man doch ein volles Pfund in die Waagschale werfen. Daniel Maron stellte viele Fragen, um herauszufinden, welche Wünsche mir ein neuer Arbeitgeber erfüllen sollte. „Hahaha“ dachte ich, umwerfende Wortwahl.

Zusatzausbildungen

Es kamen Fragen, zum Beispiel, nach Zusatzqualifikationen und ob ich diese berücksichtigt haben möchte. Oh ja, ich möchte, unbedingt! Denn abgesehen von meinem Meisterdasein, bin ich auch Pädakustikerin, Mediatorin (univ.) und Coach. Außerdem spreche ich die deutsche Gebärdensprache. Meine Bedenken, dass Daniel Maron nun mit der schon oft gehörten Bemerkung: “Sie sind überqualifiziert”, Rubrik: Schwer vermittelbar, abwinken würde, bewahrheiteten sich nicht. Nichts dergleichen kam und Sie können gewiss sein, dass ich genau hinhörte.

Soll ich mal etwas verraten? Letztlich machte das Alter etwas aus, wenn es auch nett von Daniel war, einen diesbezüglichen Einwand glatt vom Tisch zu wischen. Die Art, wie das ganze Telefonat geführt wurde, fühlte sich gut an und machte furchtlos. In der Zeit bis zu unserem nächsten Gespräch erfuhr ich von Kollegen so allerlei. Wie effizient diese neue Firma arbeite und womit es den Chefs, zwei an der Zahl, ernst war. Kein “laberndes” Headhuntergequatsche. Kein schnell-schnell-schnell, nicht den raschen Euro. Keine astronomischen Prämien. Fairness, sowohl für den Arbeitnehmer, als auch für den Arbeitgeber. Wertschätzung.

Wirkliches suchen, damit es allen gut geht.

Ungewöhnlich heutzutage, geradezu verwegen. Und erfolgreich! Ja, und dann kam er, der Anruf: 2 Vorstellungsgespräche könne ich absolvieren, was bedeutete, dass es zwei Arbeitgeber gab, die interessiert daran waren, herauszufinden, ob ich mich als Arbeitnehmerin eignen würde.

Lucky me?

Ich fühlte mich in der ganzen Zeit bei Placing-You gut aufgehoben und betreut. Meinem neuen Arbeitgeber, vermute ich, ging es ähnlich. Er nahm die Empfehlung an und stellte mich, nach einem interessanten, hoch informativen und ausführlichen Gespräch, ein. Rückblickend kann ich sagen, dass die Arbeitsumstellung beiden Seiten einiges abverlangte… vor allem Geduld. Mit 41 Jahren Berufserfahrung verschieben sich Prioritäten. Das müssen beide Seiten wissen und berücksichtigen. Computerprogramme zum Beispiel haben ein Eigenleben und wer etwas anderes behauptet, musste sich noch nie komplett von einem Programm auf ein anderes System umstellen. Und hat somit keine Ahnung 😉! Wie so oft im Leben galt auch hier: Sprechen wir doch miteinander und zwar ehrlich und zugewandt! Es war gut,den Schritt in ein neues Leben zu wagen. Auch wenn sich dann alles noch einmal ganz anders drehte. Erfahrungen und das, was man aus ihnen lernen kann und sollte, bereichern ein Leben. Und um jetzt noch eine gültige Redensart zu bedienen:

Das Leben ist zu kurz, um bei und mit der Arbeit unglücklich zu sein.

Ähm ja, und um zum Abschluss auf die Eingangsfrage zurückzukommen: nicht blöd, couragiert!