Das Hörgeräteprogramm

Leitfaden und Tipps für die nächste Gesellenprüfung im Sommer 2019!

Veröffentlicht am: 31.3.2019
Autor/in: Anabell
Lesezeit: Minuten

In diesem Artikel möchte ich euch einen Leitfaden zur Erstellung von eurem Hörgeräteprogramm für die Gesellenprüfung geben und grundlegende Fragen klären.

Zuerst müsst ihr euch im Klaren sein, was ein Hörgeräteprogramm ist:

Ein Hörgeräteprogramm ist die Zusammenstellung von Herstellern und deren Geräten. Jeder Akustiker sollte ein Hörgeräteprogramm im Laden haben, ansonsten wird es schwierig, Hörgeräte zu verkaufen.

Die Basis

Die Schule verlangt von euch, dass ihr drei Hersteller vorstellt. Im besten Fall solltet ihr euren vertrautesten Hersteller wählen. In meinem Fall waren es Signia, Phonak und Oticon.

Nachdem ich meine Hersteller festgelegt hatte, habe ich mir für jeden Hersteller eine Tabelle erstellt

Bsp.:

AusführungComfortMittelkassePremium
Geräte
Leicht-Mittel
Mittel-Hoch
WHO4
Bi-Cros
Zubehör

Was braucht ihr?

  • Ihr braucht drei Hersteller

  • am besten wählt ihr von jedem Hersteller drei Preisklassen

  • Von diesen Preisklassen braucht ihr jeweils folgende Hörgerätearten:

    • HDO

    • RIC

    • IDO

    • WHO4

  • Ihr braucht insgesamt ein Kassengerät. Von welchem Hersteller bleibt euch überlassen. Ihr solltet für jeden Grad eine Variante haben. Z.b.

AusführungKasse
GerätGet
Leicht-MittelGet HDO (13)
Mittel-HochgradigGet P HDO (13)
WHO4Dynamo SP4
Bi-CrosCros Mic 25+ A.schuh AP900 + Kabel

Ihr solltet für jeden Fall, den ihr als Gesellen versorgen könnt, vorbereitet sein d.h.

  • Leichte- Mittelgradige Hörverluste

  • Mittel-Hochgradige Hörverluste,

diese gebt ihr mit der Hörerstärke an, die ihr verwenden würdet.

  • Tinnitus

  • WHO4

  • Bi-Cros.

Es gibt immer wieder Gerüchte, dass kein WHO4 abgefragt werden würde. Ihr könnt euch sicher sein, dass es WHO4 in der Gesellenprüfung geben wird. Ich selber hatte einen WHO4-Fall. Es wird aber keinen reinen Cros-Fall geben, da wenn ein Ohr normalhörend ist und das andere Ohr taub, man nicht viele Features verwenden kann. Es wird auch nicht explizit nach einem Tinnitus Noiser gefragt, sondern immer ein Hörgerät gewählt, welches auch diese Funktion haben soll, falls der Kunde einen Tinnitus hat.

Ein Beispiel, wie es mit dem Oticon Inium-Sense-Chip aussehen könnte:

AusführungComfortMittelkassePremium
GeräteRia2 Pro…Nera2 Pro…Alta2 Pro…
Leicht-MittelHDO 85 (13)MiniRite 85 (312)CIC 85 (10)HDO 85 (13)MiniRite 85 (312)CIC 85 (10)HDO 85 (13)MiniRite 85 (312)CIC 85 (10)
Mittel-HochHDO 100 (13)MiniRite 100 (312)Concha 100HDO 100 (13)MiniRite 100 (312)Concha 100HDO 100 (13)MiniRite 100 (312)Concha 100
WHO4Dynamo SP6 (13)Dynamo SP8 (13)Dynamo SP10 (13)
Bi-CrosCros Mic 25 + A.schuh AP900 + Kabel (Nur HDO fähig)Cros Mic 25 + A.schuh AP900 + Kabel (Nur HDO fähig)Cros Mic 25 + A.schuh AP900 + Kabel (Nur HDO fähig)
Zubehör

Tipp: Schreibt euch immer den kompletten Namen auf, falls ihr in der Gesellenprüfung gefragt werdet, welches Gerät ihr wählen würdet, solltet ihr den Namen des Gerätes, Bauform und die Hörerstärke bennen können. Für die Kategorie Premium würde ich z.b. „Alta2 Pro MiniRite 85 mit einer 312 Batterie” sagen.

Wählt eure Hörgeräte nach dem Chip aus, der verbaut ist, damit ihr nicht für einen Hersteller zwei verschiedene Varianten eines Features auswendig lernen müsst.

Zu meiner Gesellenprüfung hatte ich die Wahl, ob ich die Velox-Plattform, d.h. die OPN-Geräte mit in das Programm nehme. Ich kannte mich aber nicht gut damit aus und hätte somit statt das Alta 2 Pro, das OPN 1 genommen. Somit hätte ich aber zwei verschiedene Chip-Plattformen gemischt. Einmal den Inium-Sense-Chip und den Velox-Chip, damit hätten sich die Features in ihrem Aufbau und Ablauf geändert. Deswegen bin ich beim Inium-Sense-Chip geblieben.

Schauen wir uns dieses Jahr mal Phonak an. Phonak hat Ende 2018 die Marvel-Serie auf den Markt gebracht. Es wäre ein perfektes Gerät für das Hörgeräteprogramm. Es hat eine tolle Konnektivität zu dem Zubehör, da es fast nur über 2,4 GHz gekoppelt wird und es gibt dieses Gerät in verschiedenen Ausführungen. Allerdings hat die Marvel-Serie keine Cros-Variante, somit müsste man hier wieder auf zwei verschiedene Chip-Plattformen zurückgreifen (Belong und Marvel). Hier wäre es einfacher, die alte Belong-Serie zu benutzen, da diese alle Geräte abdeckt.

Zubehör

Noch ein Grund die Chip-Plattformen nicht zu mischen, ist das Zubehör. Jede Chip-Plattform hat ihre eigenen Arten, wie sie mit Zubehör verbunden wird.

Was ihr wissen solltet:

  • Welches Zubehör kann verbunden werden?

  • Was ist die Aufgabe des Zubehörs?

  • Braucht man ein Zwischengerät, wie einen Streamer?

  • Auf welche Art und Weise wird es verbunden? (Bluetooth, Funk)

  • Welche Frequenz wird für die Übertragung genutzt?

  • Wie weit können die Geräte voneinander entfernt sein, bis sie nicht mehr kommunizieren?

Features

Was ihr wissen solltet:

  • Welches Feature erklärt ihr?

  • Wie heißt das Feature bei dem gefragten Hersteller?

  • Was bewirkt das Feature?

  • Wann wird das Feature eingesetzt?

  • Was macht das Hörsystem bei diesem Feature?

Jedes Jahr ändert sich die Angabe, wie viele Features ihr erklären solltet. Ihr seid auf der richtigen Seite, wenn ihr sechs sehr gut erklären könnt.

Meine Features waren:

  • Rückkopplungsunterdrückung

  • Störgeräuschunterdrückung

  • Spracherkennung

  • Windgeräuschunterdrückung

  • Mehrmikrofontechnik

  • Impulsschallunterdrückung

Damit seid ihr auf jeden Fall gut eingedeckt. In der Regel fragen die Prüfer maximal drei Features ab. Lernt die Namen der Features auch herstellerbezogen.

Wie die Features funktionieren, könnt ihr in den Technikbroschüren nachschlagen, direkt beim Hersteller anrufen oder bei einem Spezialisten in den audiologischen Abteilungen erfragen.


Macht euch nicht so viele Gedanken über die Prüfer. Sie wollen euch nur helfen und durch die Prüfung bringen, etwas anderes haben sie nicht vor. Konzentriert euch darauf, was ihr könnt und zeigt es in der Prüfung.

Viel Erfolg!

Quellen:

https://www.oticon.de/professionals

https://www.phonak.com/de/de.html/




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